Skriptum Wiss. Arbeiten – Teil I


Die Seminararbeit: Aufbau, Form und Beispiele

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Inhalt Teil I:
A. Grundsätzliches zu Umfang und Formalia
B. Der äußere Aufbau einer wiss. Arbeit
C. Anmerkungen, Zitate, Abkürzungen
D. Hinweise zum Arbeiten mit Word und Open Office

A. Grundsätzliches zu Umfang und Formalia

Bei schriftlichen Seminararbeiten (= Hausarbeiten) kann es sich entweder um die Ausarbeitung eines Referates oder um ein anderes zum Seminarinhalt passendes, selbst gewähltes Thema handeln. Der Umfang der Arbeit kann je nach Dozent*in variieren. Sprechen Sie sich also ab, um Missverständnisse zu vermeiden.

Richtlinien für die Seitenzahl sind laut PO:
7-10 Seiten für eine kl. Hausarbeit, Bearbeitungszeit: etwa 1-3 Monate
10-15 Seiten für eine Hausarbeit, Bearbeitungszeit: etwa 2-6 Monate
15-20 Seiten für eine Studienarbeit, Bearbeitungszeit: etwa 3-9 Monate

Für Abschlussarbeiten gilt:
Bachelor-Arbeit: ca. 40 Seiten, Bearbeitungszeit: 3 Monate
Master-Arbeit: ca. 80 Seiten, Bearbeitungszeit: 6 Monate

Daneben gibt es spezielle Formen (Portfolio, Essay) zu denen Sie im jeweiligen Seminar formale Hinweise erhalten. Kümmern Sie sich um Unterschrift und Note auf den entsprechenden Formularen bzw. je nach Prüfungsmodus um die Anmeldung in STUDIS. Falls möglich, legen Sie der Arbeit einen ausgefüllten Modulschein (Downloadseite UniA) bereits bei der Abgabe bei.

Als Zeilenabstand wird 1,5 Zeilen erwartet, die Seitenränder gestalten Sie so, dass man die Arbeit im Schnellhefter noch gut lesen sowie mit knappen Korrekturen am Rand versehen kann. Wählen Sie als Schriftart Times New Roman, 12pt.

Abgabetermine: Der Prüfungsausschuss empfiehlt, eine Arbeit zeitnah zu einer Veranstaltung zu schreiben, weil sowohl Sie als auch die/der Dozent*in dann noch nahe beim Thema sind. Spätester Richtwert ist 1,5 Jahre später, danach muss die Arbeit nicht mehr angenommen werden. Bei Lehrbeauftragten, Gastdozent*innen und sonstigen befristet Beschäftigten wird empfohlen, Arbeiten im gleichen Semester zu schreiben bzw. nachzufragen, ob auch ein späterer Abgabetermin in Frage kommt.

B. Der äußere Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit

  1. Titelblatt (siehe Beispiel 1 unten)
    (2.) ggf. Vorwort
  2. Inhaltsverzeichnis
    (4.) ggf. Verzeichnis der Abkürzungen bzw. Siglen (siehe Beispiel 2 unten)
  3. Einleitung
  4. Text
    (7.) ggf. Anhang, Bildtafeln, Exkurse
  5. Literaturverzeichnis
    (9.) ggf. bei größeren Arbeiten: Register

Die in Klammern gesetzten Punkte sind sinnvoll bei größeren Arbeiten (Abschlussarbeiten, Publikationen), bei einfachen Seminararbeiten sind sie nicht üblich.
Essays sind kompakter aufgebaut als Hausarbeiten, zu einem Muster siehe unten Beispiel 3.

Beispiel 1: Titelblatt Hausarbeiten

Beispiel 2: Abkürzungs- bzw. Siglenverzeichnis

Siglenverzeichnis
Die Werke Gadamers werden mit folgenden Siglen zitiert:
WM = Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik, Tübingen, 41975.
AA = Anschauung und Anschaulichkeit, in: Neue Hefte für Philosophie, Heft 18/19, Göttingen 1980, 1-14.
AS = Die Aktualität des Schönen, Stuttgart 1977.
KS II = Kleine Schriften, II: Tübingen 1967.
KS IV = Kleine Schriften, IV: Tübingen 1977.

Verwenden Sie nur ein oder wenige Sigel, so geben Sie diese besser im Quellenteil des Literaturverzeichnisses direkt hinter der Quelle in eckigen Klammern an, z.B.:
Gadamer, Hans-Georg: Anschauung und Anschaulichkeit, in: Neue Hefte für Philosophie, Heft 18/19, Göttingen 1980, 1-14. [= AA]

Beispiel 3: Essays
Für Essays gelten die gleichen Zitierregeln wie für Hausarbeiten, allerdings wird das separate Titelblatt durch einen Essay-„Kopf“ auf der ersten Seite ersetzt, das Inhaltsverzeichnis entfällt. Die Literaturangaben werden gleich nach dem Haupttext gegen Ende des Essays angehängt.

Beispiel für die Formatierung von Essay-Kopf, Haupttext und Literaturangaben:

C. Anmerkungen, Zitate, Abkürzungen

Anmerkungen in den Fußnoten dienen dazu:

  • wörtliche Zitate im Haupttext durch genaue Angabe der Textstelle (ohne „vgl.“) nachzuweisen
  • Paraphrasen (= sinngemäße Wiedergaben) per Hinweis auf die Original-Textstelle (mit „vgl.“) zu belegen
  • Aussagen mit Zitaten zu erläutern, die nicht gut in den Haupttext passen
  • Aussagen durch Hinweise auf Literatur, in der ein ähnlicher Gedanke zum Thema angeführt wird, zu unterstreichen („Siehe auch…“, „Ähnlich wie auch…“)
  • Hinweise auf kontroverse Positionen zu geben („Anders als…“, „XY allerdings wendet hiergegen ein, dass…“)
  • sonstige erläuternde Gedanken anzubringen, die den Fluss des Hauptgedankens stören würden

Setzen Sie keine Gedanken in Anmerkungen, die für Ihre Argumentation wesentlich sind und unbedingt gelesen werden sollten! Diese gehören in den Haupttext. Die Anmerkungen stehen am unteren Seitenrand (Fußnoten). In Publikationen werden mitunter auch Endnoten verwendet. In Seminararbeiten sollten Anmerkungen dagegen in Form von Fußnoten am unteren Seitenrand stehen, um das Hin- und Her-Blättern zu vermeiden.

Paraphrasen
Die sinngemäße Wiedergabe eines Textabschnitts (Paraphrase) wird mit Vgl./vgl. für „vergleiche“ gekennzeichnet.
Bsp. in Fußnote: 2 Vgl. Jonas 1991, 23-25.
Bsp. im Text: … wie Jonas ausführt (vgl. Jonas 1991, 23-25)

Zitate
Wichtig: Alle – auch kleinste – Abweichungen vom Originalwortlaut des Zitats sowie der Originalformatierung (Kursivierung, Fettdruck usw.) müssen kenntlich gemacht werden!

  • Zitate stehen in doppelten Anführungszeichen, Zitate im Zitat in einfachen Anführungszeichen („Mein Zitat ‚im Zitat'“)
  • Kennzeichnen Sie Auslassungen mit […], die Auslassung einzelner Buchstaben mit [.]
  • Eigene Änderungen, Zusätze und ergänzende Buchstaben bei grammatikalischer Umstellung werden in eckige Klammern „[ ]“ gesetzt
  • Rechtschreibfehler im Original werden belassen und mit [sic!] gekennzeichnet.
  • Wichtig: Verwendet ein Text durchgängig alte oder altertümliche Rechtschreibung, so erfolgt keine Kennzeichnung mit [sic!]

Beispiel (Quelle: Dr. Heichele 🙂 ). Angenommen, im Originaltext stünde: Die Philosophen, die in der Schlossalle wohnten, mussten wegen des wunderbaren Ausblicks auf die schräg gegenüberliegende Badstraße sehr hohe Mieten zahlen.
In einer Arbeit würde daraus: Autor*in XY bemerkt, dass auch „[d]ie Philosophen, die in der Schlossalle [sic!] wohnten, […] sehr hohe Mieten zahlen [mussten].“
Längere Zitate ab ca. drei Zeilen werden mit geringerem Zeilenabstand und/oder kleinerer Schriftgröße versehen (Formatvorlage in Word nutzen!) und eingerückt.

Zitat- und Literaturnachweise in den Fußnoten
Bei den Zitat- und Literaturnachweisen sind zwei verschiedene Systeme in Gebrauch: Die klassische Zitationsweise und das sog. Autor-Jahr-System. Welches System man wählt, ist meist nicht vorgeschrieben – fragen Sie aber dennoch die jeweiligen Dozenten nach Vorlieben. Am wichtigsten ist, dass Sie konsequent (einheitlich) zitieren!

Moderne Zitationsweise (Autor-Jahr System; Harvard-Zitation)
Besonders in den Sozial- und Naturwissenschaften wird die verwendete Literatur nur im Literaturverzeichnis vollständig aufgeführt. Im Text und in Fußnoten werden Kurzangaben verwendet, die auf die bibliographischen Angaben im Literaturverzeichnis verweisen. Die Angabe im Text besteht aus dem Namen der/s Autor*in, dem Erscheinungsjahr und der Seitenzahl (z. B. Foot 1997, 121). Zum schnelleren Auffinden des Titels im Literaturverzeichnis steht dort das Erscheinungsjahr meist direkt hinter dem Namen, z.B.:
Foot, Philippa (1997): Die Wirklichkeit des Guten. Moralphilosophische Aufsätze, Frankfurt a.M.

Klassische Zitationsweise
Die klassische Zitationsweise arbeitet mit ausführlicheren Nachweisen in den Fußnoten. Wird ein Werk oder Beitrag in der Arbeit zum ersten Mal zitiert oder erwähnt, gibt man die vollständige bibliographische Zitation in der Fußnote an:
Foot, Philippa: Die Wirklichkeit des Guten. Moralphilosophische Aufsätze, Frankfurt a.M. 1997, 135.
Wird dieselbe Schrift weitere Male zitiert, reicht die Angabe von Verfasser*in und eines selbst gewählten unmissverständlichen Kurztitels, z.B. hier: Foot, Wirklichkeit des Guten, 67. Das Literaturverzeichnis stellt die verwendete Literatur am Ende der Arbeit noch einmal in alphabetischer Reihenfolge zusammen.

Viele weitere Beispiele zu beiden Zitationsweisen finden Sie in Teil II des Skriptums.

Abkürzungen
Ebd. (ebenda) verwendet man zum Verweis auf eine vollständig identische Stellenangabe, die an unmittelbar vorangehender Stelle/Fußnote zu finden ist.
Zu vermeiden: A.a.O. (am angegebenen Orte) als Verweis auf eine Literaturangabe, die irgendwo im Text voransteht. Nachteil: Bei nachträglich eingefügten Fußnoten ist der „angegebene Ort“ nicht leicht auffindbar. Ebenso wird Op. cit. (opus citatum – das zitierte Werk) als Verweis auf eine identische Werkangabe, die auf derselben Textseite unmittelbar voransteht (z. B.: Op. cit., 23), eher nicht mehr verwendet.
Dies. (dieselbe) bzw. ders. (derselbe): Werden zwei Werke derselben Autor*in unmittelbar nacheinander zitiert, kann man den Namen mit dies. bzw. ders. abkürzen (kursiv gesetzt und klein geschrieben, außer am Fußnoten- oder Zeilenanfang).
„f.“ in der Bezeichnung „13f.“ bedeutet, dass ein Zitat auf Seite 13 beginnt und sich nur bis auf die folgende Seite 14 erstreckt. Diese Angabe ist eindeutig.
Zu vermeiden: Angabe „ff“, aus der nicht deutlich wird, ob es sich um drei Seiten oder um eine 120-seitige Erörterung handelt. Besser immer genaue Seitenangaben (z.B. 13-25) verwenden!

Bibliographische Angaben
Im Folgenden einige wenige Beispiele zur Erläuterung der Abkürzungen. Siehe für weitere Beispiele Teil II des Skriptums zum Literaturverzeichnis.
Vollständige bibliographische Angabe als erste Angabe in der Fußnote:
1 Nietzsche, Friedrich: Von den Fliegen des Marktes, in: ders.: Also sprach Zarathustra, Kritische Studienausgabe in 15 Bänden, hrsg. von G. Colli und M. Montinari, Berlin/New York ²1988, Bd. 4, 65. (= KSA)
Gekürzte Standard-Angabe (klassische Zitierweise):
² Vgl. Nietzsche, Friedrich: Von den Fliegen des Marktes, in: KSA 4, 66f.
Rückverweis mit ebd., wenn Sie eine Stelle in der unmittelbar folgenden Fußnote erneut zitieren:
6 Ebd. oder, wenn es sich um das gleiche Werk, aber eine andere Seite handelt: 6 Ebd., 78.

Sonstige Abkürzungen
Verzeichnisse der üblichen Abkürzungen finden sich im Duden oder spezielleren Lexika, häufig im jeweils ersten Band. Spezielle Abkürzungen (Siglen) wie GMS, NE, Symp., De. off. für die Zitation klassischer Werke finden Sie außerdem in Standardwerken und Artikeln zum Thema. Für Beispiele zur Verwendung von Siglen siehe auch Teil II des Skriptums. Bei Unsicherheiten fragen Sie die Seminarleitung!

D. Hinweise zum Arbeiten mit Word und OpenOffice

Nutzen Sie Formatvorlagen, definieren Sie Ihre Überschriften und erstellen ein automatisches Inhaltsverzeichnis. Es handelt sich hierbei um Grundlagen der Textverarbeitung, die Arbeit sparen und die Sie sowohl für Hausarbeiten als auch für Ihre Abschlussarbeit beherrschen sollten. Zahlreiche Tutorials finden sich im Internet.

Kurzanleitung

  • Nur einmalig notwendig: Legen Sie eigene Formatvorlagen an bzw. ändern Sie die vordefinierten Formatvorlagen, z.B. Schriftart, Schriftgröße, Zitat etc.
  • Formatieren Sie alle Überschriften in Ihrem Dokument mithilfe der Formatvorlagen „Überschrift 1“ bis „Überschrift x“. Markieren Sie dazu die entsprechende Überschrift und weisen dann per Klick oder Tastenkürzel die Formatvorlage zu.
  • „Überschrift 1“ entspricht der ersten Gliederungsebene (1. Gründerväter der Philosophischen Anthropologie), „Überschrift 2“ der zweiten (1.2. Max Scheler) usw.
  • Vergessen Sie nicht, Seitenzahlen einzufügen
  • Sobald Sie mindestens eine Überschrift formatiert haben, wechseln Sie auf die Seite, auf der das Inhaltsverzeichnis erscheinen soll. Wählen Sie dann im Menü Referenzen>> Inhaltsverzeichnis ein Format für Ihr Verzeichnis und bestätigen Sie mit OK, um das Inhaltsverzeichnis einzufügen.
  • Das Inhaltsverzeichnis können Sie jederzeit mit Rechtsklick aktualisieren (entweder nur die Seitenzahlen oder alles)
  • Die Dokumentstruktur lässt sich außerdem am Rand Ihres Dokuments einblenden (sinnvoll bei größeren Arbeiten)
  • Falls Sie keinen Blocksatz verwenden, schalten Sie die automatische Silbentrennung ein, um Platz zu sparen und den „Flattersatz“ am Rand zu reduzieren.